Das I Ging - Orakel

Einführung ins I Ging-Orakel und seine besondere Magie

Das I Ging-Orakel – auch bekannt als I Ging oder „Buch der Wandlungen“ – gilt als eines der ältesten Weisheits- und Orakelsysteme der Welt. Seit über 3000 Jahren nutzen Menschen seine Texte und Symbole, um Entscheidungen zu reflektieren, Krisen zu verstehen und innere Klarheit zu gewinnen. Anders als schnelle „Ja/Nein“-Orakel lädt das I Ging dazu ein, tiefer zu schauen: in die eigenen Muster, in die Dynamik einer Situation und in die verborgenen Kräfte des Wandels.

Jedes der 64 Hexagramme erzählt eine eigene „Geschichte“ über Veränderung: vom Beginn einer Entwicklung, über kritische Umbrüche bis zur Reife und dem notwendigen Loslassen. Gerade weil das I Ging kein Wunschkonzert, sondern ein Spiegel der Realität ist, wird es von vielen Ratsuchenden als schonungslos ehrlich – aber zugleich unglaublich weise – erlebt.

Der zeitlose Wert des I Ging-Orakels in der modernen Welt

Auf den ersten Blick passt ein antikes Orakelbuch nicht in eine Welt voller Apps, Algorithmen und Echtzeit-Informationen. Schaut man genauer hin, wird klar, warum das I Ging-Orakel gerade heute boomt: Es liefert keine oberflächlichen „Horoskop-Antworten“, sondern Perspektiven, die Verantwortung einfordern. Es sagt dir nicht, was du hören willst, sondern was du sehen musst, um weiterzukommen.

In Phasen von beruflicher Neuorientierung, Beziehungsstress, innerer Leere oder spiritueller Suche hilft das I Ging, die eigene Situation in einen größeren Kontext zu setzen. Statt simpler Versprechungen („Alles wird gut“) zeigt es Bedingungen, Konsequenzen und mögliche Entwicklungsschritte. Wer bereit ist, sich darauf einzulassen, erhält ein Werkzeug für langfristige, ehrliche Selbstreflexion statt kurzfristiger Beruhigung.

Herkunft und Hintergrund des I Ging-Orakels

IGing

Was ist das I Ging-Orakel?

Das antike China und die Entstehung des I Ging

Die Wurzeln des Buches der Wandlungen reichen bis in die Frühzeit des alten China zurück. Ursprünglich war das I Ging weniger ein Orakel „im heutigen Sinne“, sondern ein System zur Beobachtung von Naturzyklen, Machtverhältnissen und gesellschaftlichen Entwicklungen. Herrscher, Strategen und Berater nutzten es, um Situationen nüchtern einzuschätzen und kluge Entscheidungen zu treffen – nicht, um Verantwortung abzugeben.

Mit der Zeit wurde das I Ging zu einem Kerntext der chinesischen Philosophie. Konfuzianische und daoistische Denker erweiterten und kommentierten die ursprünglichen Orakeltexte. So entstand ein Werk, das Orakel, Ethik-Kodex, Lebensphilosophie und psychologische Tiefenanalyse in einem ist. Genau diese Mehrschichtigkeit macht das I Ging bis heute so besonders: Es funktioniert sowohl als Orakel als auch als philosophisches Lehrbuch.

Legenden, Mythen und Gestalten rund um das I Ging

Um das I Ging ranken sich zahlreiche Legenden – und ja, vieles davon ist mythologisch überhöht, aber trotzdem inhaltlich wertvoll:

  • Kaiser Fu Xi soll die acht Grund-Trigramme entwickelt haben, nachdem er Naturphänomene, Tierbewegungen und Himmelskonstellationen beobachtet hatte. Ob historisch exakt oder nicht: die Botschaft ist klar – das I Ging basiert auf systematischer Naturbeobachtung, nicht auf willkürlicher Fantasie.
  • König Wen, der in Gefangenschaft saß, ordnete den Hexagrammen Bedeutungen zu und interpretierte sie. Seine Arbeit machte aus einer reinen Zeichenkombination ein ausformulierbares Deutungssystem.
  • Konfuzius wird später mit umfangreichen Kommentaren in Verbindung gebracht, die moralische und gesellschaftliche Dimensionen betonen: Verantwortung, Maßhalten, Integrität.

Ob jede Figur historisch exakt so existiert hat, ist sekundär. Entscheidend ist: Das I Ging ist über Jahrhunderte von klugen Köpfen geschärft worden – nicht von „spirituellen Schaumschlägern“, sondern von Menschen, die Macht, Ethik und Psychologie sehr genau beobachtet haben.

Zentrale Prinzipien des I Ging-Orakels

Yin und Yang – das Fundament aller Wandlungen

Im Kern des I Ging stehen Yin und Yang – keine Esoterik-Schlagworte, sondern ein präzises Modell für Polarität und Dynamik. Yin steht für das Empfangende, Ruhige, Zurückhaltende; Yang für das Aktive, Durchsetzende, Gestaltende. Beide sind weder „gut“ noch „schlecht“, sondern notwendig. Probleme entstehen, wenn eines davon übersteuert wird.

Jede durchgezogene Linie (Yang) und jede unterbrochene Linie (Yin) in einem Hexagramm ist Ausdruck davon, wie stark aktive oder passive Kräfte in einer Situation wirken. Ein reines „Durchziehen“ (nur Yang) ist genauso destruktiv wie totale Passivität (nur Yin). Das I Ging zwingt dich, hinzusehen: Wo übertreibst du? Wo verweigerst du Verantwortung? Wo flüchtest du in Opferrollen?

Die 64 Hexagramme – Landkarte der menschlichen Erfahrung

Aus der Kombination von Yin- und Yang-Linien entstehen die 64 Hexagramme. Jedes Hexagramm:

  • besteht aus sechs Linien, von unten nach oben gelesen,
  • beschreibt einen typischen Prozesszustand (Beginn, Krise, Reife, Umbruch usw.),
  • verdeutlicht Hintergründe, Chancen und Risiken einer Situation.

Anders als bei simplen Orakeln bekommst du keine platte Aussage wie „Ja, mach das“ oder „Nein, lass es“. Du erhältst eine Prozessbeschreibung: Wo stehst du innerhalb einer Entwicklung? Womit musst du rechnen, wenn du weiter so handelst? Welche Haltung ist jetzt angemessen – Vorwärtspreschen, Abwarten, Rückzug, klärendes Gespräch, innere Kurskorrektur?

Das I Ging-Orakel in der Praxis

Die Münzmethode – einfacher Einstieg für den Alltag

Die gängigste Methode für Einsteiger ist die Münzmethode. Du brauchst drei Münzen und eine klare Frage. Typischer Ablauf:

  • Du formulierst deine Frage schriftlich – präzise, realistisch, ohne Wunschdenken.
  • Du wirfst drei Münzen gleichzeitig und ordnest Kopf/Zahl-Werte (z. B. Kopf = 3, Zahl = 2).
  • Du addierst die Werte. Je nach Summe (6, 7, 8 oder 9) entsteht eine Yin- oder Yang-Linie, ggf. „veränderlich“.
  • Du wiederholst den Wurf sechsmal und baust das Hexagramm von unten nach oben auf.

Schon hier trennt sich Spielerei von ernsthafter Arbeit: Wenn deine Frage schwammig ist („Wie wird meine Zukunft?“), bekommst du entsprechend unscharfe Einsichten. Wenn du konkret wirst („Welche innere Haltung ist in den nächsten drei Monaten in Bezug auf Jobwechsel XYZ hilfreich?“), reagiert das I Ging deutlich präziser.

Die Yarrow-Stäbchen – traditionell, langsamer, tiefer

Die Stäbchenmethode mit Schafgarben- oder Holzstäbchen ist deutlich aufwändiger, dafür meditativer. Das manuelle Teilen, Zählen und Ordnen entschleunigt und schärft deine innere Haltung. Du wirst gezwungen, dich wirklich auf die Frage und deinen Zustand einzulassen, statt „schnell mal eben das Orakel zu befragen“.

In der Praxis nutzen viele ernsthafte Anwender beide Wege: Münzen für den Alltag, Stäbchen für große, seltene Weichenstellungen (Trennung, Umzug, Unternehmensgründung usw.).

Die Kunst der Interpretation – wo viele scheitern

Das eigentliche Problem liegt selten beim Werfen, sondern bei der Deutung. Wer das I Ging wie ein Horoskop liest („irgendwie wird das schon passen“), bekommt oberflächliche Phrasen. Wer bereit ist, sich ehrlich zu hinterfragen, bekommt ein messerscharfes Instrument der Selbstanalyse.

Gute I Ging-Interpretation bedeutet:

  • Den Originaltext (bzw. eine solide Übersetzung) tatsächlich zu lesen – nicht nur Kurzdeutungen.
  • Die Fragestellung immer im Hinterkopf zu behalten: Das Hexagramm sagt nichts „im luftleeren Raum“.
  • Die veränderlichen Linien ernst zu nehmen – sie zeigen, wo Bewegung nötig ist.
  • Die Aussagen mit der Realität abzugleichen, nicht mit Wunschbildern oder Projektionen.

Wer sich das nicht zutraut, kann erfahrene I Ging-Berater hinzuziehen. Seriöse Experten übersetzen das Hexagramm in klare, alltagsnahe Impulse – und scheuen sich nicht, auch unangenehme Wahrheiten zu benennen oder auf innere Blockaden hinzuweisen.

Einsatzgebiete des I Ging-Orakels

Lebensentscheidungen und Übergangsphasen

Typische Fragen an das I Ging drehen sich um Übergänge und Unsicherheit:

  • „Ist jetzt der richtige Zeitpunkt für einen Jobwechsel – oder muss ich erst innere Hausaufgaben machen?“
  • „Welche Haltung hilft mir, diesen Konflikt mit meinem Vorgesetzten klug zu klären?“
  • „Welche Entwicklung zeichnet sich ab, wenn ich in dieser Beziehung bleibe – und welche, wenn ich gehe?“

Das I Ging liefert dabei keine Freifahrtscheine („Trenn dich, alles wird danach wunderbar“), sondern zeigt Wahrscheinlichkeiten, Risiken und Lernaufgaben. Es zwingt dich, Verantwortung zu übernehmen, statt Entscheidungen auf „das Schicksal“ abzuschieben.

Spirituelle Entwicklung, Meditation und Energiearbeit

Viele nutzen das I Ging nicht nur als Entscheidungswerkzeug, sondern als spirituelle Praxis. Ein Hexagramm kann Ausgangspunkt einer täglichen Meditation, eines Journaling-Prozesses oder einer Sitzung mit Energiearbeit sein.

Beispiele:

  • Tägliches Ziehen eines Hexagramms als „Thema des Tages“, verbunden mit einer kurzen Reflexion.
  • Meditation über die Bildsprache eines Hexagramms (z. B. „Der zurückkehrende Donner“, „Die Quelle“), um innere Haltungen zu erkennen.
  • Verknüpfung mit Atem- oder Körperübungen, um Einsichten nicht nur mental, sondern körperlich zu verankern.

So wird das I Ging zu einem Spiegel für tieferliegende Muster – nicht nur für akute Probleme.

Beziehungsdynamiken und Familienkonstellationen

Gerade in Beziehungen unterschätzen viele ihre eigenen Anteile und blenden Muster aus. Das I Ging-Orakel ist brutal ehrlich, wenn es um Projektionen, Abhängigkeit oder fehlende Grenzen geht. Es zeigt etwa:

  • wo du klammerst statt zu vertrauen,
  • wo du aus Angst vor Konflikt schweigst,
  • wo du Verantwortung auf den Partner abwälzt („der andere muss sich ändern“),
  • wo Loyalitäten zu Familie oder Herkunft dich blockieren.

In Familien- und Paarberatung kann das I Ging helfen, eingefahrene Rollen sichtbar zu machen, ohne jemanden zum „Bösewicht“ zu erklären. Es beschreibt Prozesse – nicht Personen – und eröffnet so neue Handlungsspielräume.

I Ging-Orakel im Vergleich zu anderen Orakelsystemen

Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu Tarot, Runen und Co.

Im Vergleich zu anderen Orakeln wie Tarot oder Runen sticht das I Ging durch seine Textlastigkeit und philosophische Tiefe hervor:

  • Tarot: arbeitet vor allem mit Bildern und Archetypen, ideal für psychologische und emotionale Themen. Sehr intuitiv, aber leicht zu „romantisieren“.
  • Runen: liefern verdichtete Symbole – oft direkter, rauer, sehr klar bei Themen wie Kampf, Grenzen, Transformation.
  • I Ging: kombiniert Symbolik mit ausführlichen Texten, die Prozessverläufe beschreiben – ideal, wenn du bereit bist, dich ernsthaft mit dir selbst auseinanderzusetzen.

Alle Systeme können dir helfen, blinde Flecken zu erkennen. Das I Ging ist allerdings besonders gnadenlos, wenn du versuchst, dir selbst etwas vorzumachen. Es ist weniger „romantisch“, dafür analytischer und prozessbezogener.

Integration mit modernen Beratungs- und Coaching-Ansätzen

Viele seriöse Berater, Coaches und Therapeuten nutzen das I Ging als Reflexions-Tool, nicht als Autoritätsersatz. Typischer Einsatz:

  • Als Einstieg in ein Coaching-Gespräch: Das Hexagramm liefert Themen, der Coach konfrontiert mit Realität und Handlungsschritten.
  • Zur Ergänzung kognitiver Methoden: Während etwa Verhaltenstherapie konkrete Muster angeht, zeigt das I Ging tiefere Dynamiken und Entwicklungsetappen.
  • In der Arbeit mit spirituellen Themen: Das I Ging erdet und verhindert, dass du in „Licht-und-Liebe-Blasen“ flüchtest.

Wichtig: Jede seriöse Nutzung des I Ging lehnt es ab, Menschen abhängig zu machen. Das Ziel ist Selbstermächtigung, nicht Orakel-Kult.

Kultureller und moderner Einfluss des I Ging

Das I Ging in Literatur, Film und Kunst

In der westlichen Kultur taucht das Buch der Wandlungen immer wieder als Symbol für tiefe, nicht lineare Weisheit auf. Autoren, Filmemacher und Künstler nutzen es, um Figuren an Wendepunkten zu zeigen oder Schicksalsfragen zu verdichten. Dass ein so altes Werk immer noch als authentische Quelle für existenzielle Themen gilt, sagt mehr über seine Qualität aus als jede Werbung.

In der Kunst inspiriert die Hexagramm-Struktur visuelle Konzepte: klare Linien, Muster, Gegensätze, Bewegung. Für viele Kreative wird das I Ging zu einem Werkzeug, um Zyklen von Entstehung, Krise und Transformation sichtbar zu machen – weit über spirituelle Kontexte hinaus.

Digitale Adaptionen und zeitgenössische Nutzung

Natürlich ist das I Ging längst in der digitalen Welt angekommen: Es gibt Apps, Websites und Online-Beratungen. Das macht den Zugang leicht – und verführt gleichzeitig zu oberflächlichem Gebrauch.

Wenn du das I Ging ernst nehmen willst, gilt:

  • Nutze Apps höchstens als Wurf-Hilfe, nicht als Ersatz für gute Kommentare und gründliche Texte.
  • Vermeide Ein-Zeilen-Deutungen – die töten die Tiefe des I Ging.
  • Nimm dir nach einer Online-Konsultation bewusst Zeit für Reflexion, statt sofort zur nächsten Push-Nachricht zu springen.

Die Technik kann unterstützen – aber die eigentliche Arbeit findet zwischen deinen Ohren und in deinen Entscheidungen statt.

Praktische Ratschläge für I Ging-Einsteiger

Ein passendes I Ging-Buch oder -Set auswählen

Der Markt ist voll von „schnellen“ I Ging-Versionen. Wenn du mehr willst als esoterische Kalenderweisheiten, brauchst du:

  • eine seriöse Übersetzung mit vollständigen Texten,
  • kommentierende Erklärungen, die nicht alles weichspülen,
  • eine klare Einführung in Wurfmethoden und Deutung.

Billige Minimalversionen sind bequem, aber inhaltlich kastriert. Wenn du das I Ging ernsthaft nutzen willst, investiere in ein solides Standardwerk. Alles andere ist Zeitverschwendung.

Haltung und Vorbereitung vor einer I Ging-Sitzung

Die Qualität der Antwort hängt direkt an deiner Vorbereitung – nicht am Zufallsmechanismus. Grundregeln:

  • Klare Frage: Keine Nebeltexte wie „Wie wird mein Leben?“, sondern konkreter Fokus.
  • Innere Ehrlichkeit: Wenn du eigentlich nur Bestätigung für eine bereits getroffene Entscheidung suchst, sei dir dessen bewusst.
  • Ruhiger Rahmen: Kein Wurf zwischen Tür und Angel oder während du Mails checkst.
  • Nacharbeit: Notiere Frage, Hexagramm, Textstellen und deine spontanen Eindrücke. Reflektiere nach einigen Tagen erneut.

Wer diesen Aufwand scheut, bekommt vom I Ging genau das zurück: oberflächliche, schnell vergessene Einsichten.

I Ging-Orakel und Spiritualität

Brücke zu höherem Bewusstsein – ohne Realitätsflucht

Das I Ging kann eine Tür zu einem „höheren Bewusstsein“ sein – aber nicht im Sinne von Eskapismus. Es zeigt dir, wo du gegen den Fluss des Lebens arbeitest, wo du Muster wiederholst, wo du Chancen ignorierst. Wenn du die Hexagramme regelmäßig in Meditation oder Reflexion einbindest, erkennst du:

  • wann der richtige Zeitpunkt für Aktion ist – und wann für Rückzug,
  • wo du aus Angst festhältst statt loszulassen,
  • welche Lektionen sich durch unterschiedliche Lebensbereiche ziehen.

Damit wird das I Ging nicht zu einer „magischen Zukunftsmaschine“, sondern zu einem kompromisslosen Lehrer für Bewusstheit.

Philosophische und spirituelle Lehren des I Ging

Der rote Faden durch das gesamte Werk ist brutal simpel – und genau deshalb unbequem:

  • Alles ist Wandel. Nichts bleibt, wie es ist. Widerstand gegen notwendige Veränderung erzeugt Leid.
  • Balance statt Extrem. Einseitigkeit – egal ob Aktionismus oder Passivität – kippt irgendwann ins Problematische.
  • Verantwortung statt Opferrolle. Du bist Teil des Prozesses, nicht nur „Spielball des Schicksals“.

Wer diese Prinzipien ernst nimmt, kann das I Ging als hochpräzises Instrument nutzen, um sein Leben bewusster, klarer und stimmiger zu gestalten – mit weniger Selbstbetrug und mehr innerer Ausrichtung.

Abschließende Gedanken: Das I Ging-Orakel konsequent nutzen

Universelle Weisheit – solange du bereit bist, hinzuschauen

Das I Ging-Orakel ist kein nettes Unterhaltungstool, sondern ein kompromissloser Spiegel. Es funktioniert nur so gut, wie du bereit bist, die Wahrheit über deine Situation, deine blinden Flecken und deine Verantwortung auszuhalten. Wenn du aus Neugier ein paar Münzen wirfst, bekommst du Neugier-Niveau-Antworten. Wenn du tief einsteigen willst, bietet dir das I Ging eine der reichsten Weisheitsquellen, die wir kennen.

Einladung zur eigenen Erfahrung – statt Theorie zu sammeln

Theorie lesen ist nett. Entscheidend ist, dass du das I Ging praktisch nutzt:

  • Starte mit einer konkreten, wichtigen Frage.
  • Wirf das Hexagramm bewusst – nicht zwischen Social-Media-Scrollen und Newsfeed.
  • Lies den Text mehrfach, markiere Stellen, die dich triggern.
  • Leite daraus mindestens einen konkreten Handlungsschritt ab.

Wenn du das konsequent wiederholst, wird das I Ging zu einem realen Entwicklungswerkzeug – nicht zu einer weiteren spirituellen Spielerei in deinem Bücherregal.

💬 Häufige Fragen

Das I Ging ist ein chinesisches Orakel- und Weisheitsbuch mit 64 Hexagrammen, die typische Lebenssituationen, Dynamiken und Wandlungsphasen beschreiben. Du wirfst kein „Zukunfts-Lotto“, sondern bekommst einen archetypischen Spiegel: Wo stehst du gerade, was ist die zugrunde liegende Bewegung – und was ist ein sinnvoller nächster Schritt?

Du formulierst eine klare Frage, bestimmst per Münzen- oder Stäbchenmethode ein Hexagramm und liest dazu Text, Urteilspruch und gegebenenfalls die bewegten Linien. Danach kommt der entscheidende Teil, den die meisten überspringen: du setzt das Gelesene brutal ehrlich in Bezug zu deiner Situation – statt dir nur die angenehmsten Sätze herauszupicken.

Geeignet sind Entscheidungs- und Entwicklungsfragen wie: „Welche Haltung ist in dieser Situation stimmig?“, „Was ist der wahrscheinliche Verlauf, wenn ich bei Plan A bleibe?“ oder „Worauf muss ich jetzt besonders achten?“. Ungeeignet sind dumme Kontrollfragen wie: „Liebt er mich ja oder nein?“, Lottozahlen, konkrete Todeszeitpunkte oder Fragen, bei denen du eh nicht bereit bist, etwas zu ändern.

Einmal – und dann verdauen. Wenn du dieselbe Frage alle zwei Tage neu wirfst, suchst du keine Weisheit, sondern Bestätigung. Sinnvoll ist ein neues Hexagramm erst, wenn sich die Lage erkennbar verändert hat, du eine Entscheidung getroffen hast oder sich deine innere Haltung deutlich verschoben hat.

Tarot arbeitet primär über Bilder, I Ging über Text, Struktur und das Prinzip Wandel. Runen sind direkter, „kantiger“, Tarot eher erzählerisch, das I Ging radikal prozess- und haltungssorientiert. Kurz: Tarot zeigt oft „Wer bin ich, was spielt gerade?“, das I Ging sagt gnadenlos „So verhält sich die Situation energetisch – und so solltest du dich (nicht) verhalten.“

Alleine geht, wenn du lesen kannst, bereit bist zu reflektieren und dein Ego im Zaum hältst. Ein guter Berater ist sinnvoll, wenn du tief drinsteckst, emotional blockiert bist oder immer dieselben Themen schönredest. Aber: Ein Berater, der dir nur nach dem Mund redet, ist nutzlos – dann kannst du auch gleich deinen Wunschzettel lesen.

Wenn du nur Wort für Wort „übersetzen“ willst, läufst du ins Leere. Du liest Urteilspruch, Linien und Kommentar, markierst Schlüsselbegriffe und fragst dich dann knallhart: „Was davon spiegelt meine Situation – und was will ich gerade NICHT sehen?“. Ambivalenz ist kein Bug, sondern Feature: sie zwingt dich zur eigenen Position.

Das I Ging ist ein hochpräzises Reflexionswerkzeug, kein Autopilot. Es zeigt Tendenzen, Risiken, Chancen und innere Muster. Was du daraus machst, ist deine Verantwortung. Wenn du „blind gehorchen“ willst, suchst du keine Spiritualität, sondern jemanden, der dir das Denken abnimmt – dafür ist das I Ging zu anspruchsvoll.

Ja – aber nicht als Ersatz für ehrliche Gespräche. Es kann dir zeigen, welche Dynamik du in die Beziehung bringst, welche Phase gerade dominiert (Annäherung, Krise, Loslassen, Reifung) und welche Haltung konstruktiv ist. Wenn du aber nur wissen willst, ob „er/sie zurückkommt“, ohne dein eigenes Verhalten anzuschauen, verschwendest du das Potenzial dieses Orakels.

Gefährlich wird es nur, wenn du es missbrauchst: als Dauer-Orakel bei jeder Mini-Entscheidung, als Ausrede („Das Orakel hat gesagt, ich kann nichts machen“) oder als Ersatz für Therapie bei schweren psychischen Problemen. Das I Ging ist wertneutral – deine Reife entscheidet, ob du es zur Entwicklung oder zur Selbst-Manipulation nutzt.

Besorg dir eine solide Übersetzung mit Kommentaren (nicht nur Kurzversion) und entscheide dich für eine Wurfmethode (Münzen reichen völlig). Starte mit einer klaren Frage pro Woche, führe ein I-Ging-Tagebuch und schreibe dazu: Frage, Hexagramm, Kernbotschaft, was du konkret daraus ableitest – und was du tatsächlich tust. Alles andere ist Konsum, keine Praxis.

Ja, und genau dafür ist es ideal. Wenn du es konsequent nutzt, deckt es dir deine Muster, Ausweichmanöver, blinde Flecken und Wachstumsschritte über Jahre hinweg auf. Voraussetzung: du stellst echte Fragen, akzeptierst unbequeme Antworten und überprüfst rückblickend ehrlich, wann du den Rat des I Ging ignoriert hast – und was es dich gekostet hat.

Thema: Horoskope