Tarot lernen - Tipps für angehende Tarotexperten

Was ist Tarot? Eine kurze Einführung

Tarot fasziniert Menschen seit Jahrhunderten – und trotzdem haben viele nur eine vage Vorstellung davon, was sich wirklich hinter den farbigen Karten verbirgt. Ist Tarot eine Form der Wahrsagerei? Ein psychologisches Werkzeug? Ein spirituelles Orakel? Die ehrliche Antwort: Tarot kann all das sein – je nachdem, wie du damit arbeitest. In seiner Essenz ist Tarot jedoch vor allem eines: ein Spiegel deines inneren Erlebens.

Ein klassisches Tarotkartensystem besteht aus 78 Karten, die in ihrer Symbolik universelle Themen widerspiegeln – Liebe, Verlust, Neubeginn, Zweifel, Wachstum, Krisen, Heilung. Jede Karte erzählt eine kleine Geschichte, jede Kombination zeigt dir einen Ausschnitt deiner aktuellen Lebenssituation. Du schaust also nicht in eine fremde Zukunft, sondern in die Landschaft deiner Seele im Hier und Jetzt.

Das klassische Tarot gliedert sich in zwei große Bereiche:

  • 22 Große Arkana (Trumpfkarten): Sie repräsentieren grundlegende Lebenslektionen, seelische Entwicklungsstufen und archetypische Kräfte. Karten wie Der Narr, Die Hohepriesterin, Der Tod oder Die Sonne sind keine „Zufallsbilder“, sondern verdichtete Symbole für innere Prozesse.
  • 56 Kleine Arkana: Sie spiegeln den Alltag, konkrete Situationen, Beziehungen, Gedanken und Emotionen. Hier findest du die vier Farben Stäbe, Kelche, Schwerter und Münzen mit Karten von Ass bis 10 sowie den vier Hofkarten (Page, Ritter, Königin, König).

Auch wenn Tarot historisch als Kartenspiel entstanden ist, hat es sich im Laufe der Zeit zu einem feinen Instrument für Selbsterkenntnis, Lebensberatung und spirituelle Entwicklung entwickelt. Richtig genutzt, ist Tarot weniger Wahrsagerei und mehr ein Dialog mit deinem Unterbewusstsein.

Ursprung und Entwicklung des Tarots

Die Ursprünge des Tarots liegen im späten Mittelalter und der Renaissance. Zunächst wurden Spielkarten in höfischen Kreisen genutzt, später entwickelten sich spezielle Trumpfkarten, die allegorische Szenen darstellten. Erst im 18. und 19. Jahrhundert begannen Okkultisten, Mystiker und Esoteriker die Karten mit hermetischer Philosophie, Kabbala, Astrologie und Numerologie zu verknüpfen. Aus dem Spiel wurde ein Symbolsystem – aus den Bildern ein spiritueller Code.

Heute existieren hunderte Tarotsysteme – von historischen Repliken bis zu modernen Decks mit feministischen, queeren, psychologischen oder magischen Schwerpunkten. Die Grundstruktur bleibt oft gleich, aber die Bildsprache wird an die Zeit und Zielgruppe angepasst. Für dich als Einsteiger ist das ein Vorteil: Du kannst ein Deck wählen, das wirklich zu dir passt.

Wie Tarot „funktioniert“ – ohne Mystik-Blabla

Du musst weder hellsichtig sein noch an Magie glauben, um mit Tarot sinnvoll zu arbeiten. Die Karten wirken über Symbolik, Assoziation und Intuition. Dein Unterbewusstsein reagiert auf Bilder viel schneller als auf Worte. Indem du eine Karte betrachtest, aktivierst du innere Bilder, Erinnerungen und Gefühle – und beginnst, deine Situation aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten.

Ob du Tarot als spirituelles Werkzeug oder als psychologisch-symbolische Methode betrachtest, spielt zweitrangig eine Rolle. Entscheidend ist: Tarot zwingt dich dazu, langsamer zu werden, genauer hinzusehen und ehrlich mit dir selbst zu sein.

Tarot als Weg der Selbsterkenntnis

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Tarot lernen

Viele glauben anfangs, Tarot diene vor allem dazu, „die Zukunft vorherzusagen“. In der Praxis zeigt sich jedoch schnell: Wer nur wissen will, ob der Ex zurückkommt oder wann der Traumpartner auftaucht, kratzt an der Oberfläche. Die eigentliche Kraft des Tarots entfaltet sich dort, wo du bereit bist, dich selbst zu hinterfragen – deine Muster, Ängste, Hoffnungen, Selbstsabotagen.

Warum Tarot lernen – ganz praktisch betrachtet

Tarot ist kein Hobby nur für „spirituelle“ Menschen. Es kann dir auf verschiedenen Ebenen helfen:

  • Selbstreflexion: Karten unterstützen dich dabei, innere Zusammenhänge zu erkennen. Du siehst klarer, warum du immer wieder in ähnliche Situationen gerätst – beruflich, emotional oder in Beziehungen.
  • Entscheidungen reflektieren: Tarot nimmt dir keine Entscheidung ab, zeigt aber, welche Energien, Chancen und Risiken mit verschiedenen Optionen verbunden sind.
  • Emotionen verarbeiten: Trauer, Wut, Angst, Überforderung – Karten helfen, diesen Gefühlen eine Form zu geben, statt sie nur diffus zu spüren.
  • Spiritualität vertiefen: Wenn du bereits mit Meditation, Energiearbeit oder Ritualen arbeitest, kann Tarot dein Verständnis für innere Prozesse stark vertiefen.

Richtig verstanden, ist Tarot kein Dogma, sondern ein stetiger Dialog: zwischen dir, den Bildern und dem Teil deines Bewusstseins, den du im Alltag oft übergehst.

Typische Fragen, die du mit Tarot beleuchten kannst

Gute Tarotfragen sind selten „Ja/Nein-Fragen“. Sie öffnen einen Raum für Einsicht statt für starre Antworten. Beispiele:

  • „Was darf ich gerade über meine berufliche Situation erkennen?“
  • „Welche Energie prägt meine Beziehung zu Person X aktuell?“
  • „Was blockiert mich – und was unterstützt mich – auf dem Weg zu mehr innerer Freiheit?“
  • „Welche Lernaufgabe steckt hinter dieser Krise?“

Je offener, klarer und ehrlicher du fragst, desto hilfreicher werden die Antworten. Tarot ersetzt keine Therapie, kann aber als wertvolle Ergänzung dienen – besonders, wenn du bereit bist, unbequem ehrliche Botschaften zuzulassen.

Grenzen des Tarots – und warum sie wichtig sind

So kraftvoll Tarot ist, es hat klare Grenzen. Es sollte nicht genutzt werden für:

  • medizinische Diagnosen oder Heilversprechen
  • rechtliche Entscheidungen oder Finanzmarkt-Spekulationen
  • Spionage-Fragen („Was denkt mein Chef über mich?“, „Betrügt mich mein Partner?“) ohne eigene Verantwortung zu übernehmen
  • Kontrollzwang („Ich lege täglich nach, ob er sich meldet“)

Tarot will dich stärken – nicht abhängig machen. Wenn du merkst, dass du ohne Karten kaum noch Entscheidungen triffst, ist es Zeit, einen Schritt zurückzutreten. Die Karten sind ein Spiegel, kein Ersatz für deinen freien Willen.

Das richtige Tarotdeck und die Sprache der Karten

Bevor du ein System wirklich nutzen kannst, musst du seine Sprache kennenlernen. Beim Tarot sind das Bilder, Farben, Zahlen, Symbole und Archetypen. Aber zuerst brauchst du ein Arbeitswerkzeug: dein Deck.

Das Rider-Waite-Smith-Tarot – ideal für Anfänger

Wenn du neu einsteigst, wirst du immer wieder vom Rider-Waite-Smith Deck hören. Das hat Gründe:

  • Alle 78 Karten sind reich illustriert – auch die Kleinen Arkana. Du schaust also nicht nur auf „drei Schwerter“, sondern auf eine ganze Szene.
  • Viele Bücher, Online-Kurse und Erklärvideos basieren genau auf dieser Symbolik.
  • Die Bildsprache ist klar, archetypisch und trotz ihres Alters erstaunlich zeitlos.

Für die ersten Jahre Tarot-Praxis reicht dieses Deck völlig aus. Später kannst du immer noch auf andere Systeme wechseln.

Alternative Einsteigerdecks – wenn du andere Bilder bevorzugst

Manche Menschen spüren beim Rider-Waite-Smith keine Resonanz – vielleicht, weil sie die Figuren zu traditionell finden oder die Farben nicht mögen. Dann lohnt sich ein Blick auf Alternativen:

  • Crowley-Tarot (Thoth-Tarot): Sehr kraftvoll, vielschichtig, mit starker Anbindung an Kabbala, Astrologie und Magie. Für Einsteiger möglich, aber eher geeignet, wenn du bereit bist, dich intensiv einzuarbeiten.
  • Moderne, intuitiv gestaltete Decks: Viele aktuelle Tarots setzen auf diverse Figuren, moderne Szenen, sanftere Symbolik oder eine feministische Perspektive.
  • Orakelkarten: Sie sind kein klassisches Tarot, aber für den Beginn gut, wenn du vor allem intuitiv arbeiten möchtest. Sie haben meist klare Botschaftstexte und weniger komplexe Strukturen.

Goldene Regel: Dein Deck muss zu dir sprechen. Wenn du die Karten ansiehst und nichts fühlst, leg sie weg. Wenn du neugierig wirst, emotional reagierst oder „Geschichten“ in den Bildern siehst, bist du auf dem richtigen Weg.

Die Sprache der Großen und Kleinen Arkana

Um ernsthaft mit Tarot zu arbeiten, musst du nicht alle Karten auswendig lernen – aber du solltest die Grundlogik verstehen:

  • Die Großen Arkana (0–21): Sie markieren Wendepunkte, tiefe Entwicklungsphasen und Schlüsselmomente im Leben. Wenn in einer Legung viele Große Arkana auftauchen, ist klar: Hier geht es um mehr als eine kleine Alltagsszene.
  • Die Kleinen Arkana: Sie verteilen sich auf vier Farben – Stäbe, Kelche, Schwerter, Münzen – und zeigen, wie sich die große Geschichte im Alltag konkret ausdrückt.

Die Zuordnung ist relativ klar:

  • Stäbe: Feuer – Aktivität, Kreativität, Wille, Projekte
  • Kelche: Wasser – Gefühle, Beziehungen, Intuition
  • Schwerter: Luft – Gedanken, Kommunikation, Konflikte
  • Münzen: Erde – Körper, Geld, Beruf, materielle Sicherheit

Die Zahlen (Ass bis 10) beschreiben Stadien eines Prozesses – vom Impuls (Ass) bis zur Vollendung (10). Die Hofkarten (Page, Ritter, Königin, König) können Menschen, Persönlichkeitsanteile oder bestimmte Haltungen symbolisieren.

Traditionelle Bedeutung vs. eigene Intuition

Gerade am Anfang ist es sinnvoll, mit klassischen Bedeutungslisten zu arbeiten. Sie geben dir Orientierung, helfen dir, Strukturen zu erkennen und bewahren dich davor, völlig beliebig zu deuten. Gleichzeitig darf – und soll – sich deine persönliche Beziehung zu den Karten entwickeln.

Wenn du die 3 der Schwerter siehst, wirst du in den meisten Büchern Stichworte wie Herzschmerz, Trennung, Enttäuschung lesen. Vielleicht spürst du aber in einer konkreten Legung, dass es eher um alte Glaubenssätze geht, die dein Herz blockieren. Beide Perspektiven können stimmen – wichtig ist, dass du sie in den Kontext deiner Frage stellst.

Tarot in der Praxis: Schritt für Schritt lernen

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Tarot Tipps und Tarotexperten

Theorie ist wertlos, wenn du nicht ins Tun kommst. Tarot lernst du nicht nur aus Büchern, sondern vor allem durch wiederholten, achtsamen Kontakt mit den Karten. Je häufiger du legst, beobachtest und reflektierst, desto klarer wird deine innere Übersetzung zwischen Bild und Bedeutung.

Den Raum vorbereiten – äußere und innere Ordnung

Ein gutes Reading beginnt nicht mit dem Mischen, sondern mit der Haltung. Du brauchst kein großes Ritual, aber Klarheit und Präsenz:

  • Wähle einen ruhigen Ort, an dem du dich wohlfühlst – ein Tisch, ein Platz am Fenster, ein Bereich auf dem Boden.
  • Schalte Ablenkungen aus: Handy lautlos, keine E-Mails im Hintergrund.
  • Optional kannst du eine Kerze anzünden, Räucherwerk nutzen oder einen Kristall danebenlegen – nicht, weil es „muss“, sondern weil es deine Konzentration unterstützt.
  • Setz dich aufrecht hin, atme ein paar Mal tief durch und spüre deinen Körper.
    Frag dich: „Bin ich bereit, mir ehrlich zu begegnen?“

Je präsenter du bist, desto klarer wird die Legung. Wenn du emotional völlig aufgewühlt bist, kann es sinnvoll sein, zuerst eine kurze Meditation oder Atemübung zu machen, bevor du zu den Karten greifst.

Die richtige Frage formulieren

Die Qualität deiner Frage bestimmt die Qualität deiner Antwort. Starre Ja/Nein-Fragen engen den Deutungsraum stark ein. Statt „Wird er zurückkommen?“ könntest du fragen:

  • „Was darf ich aus dieser Verbindung lernen?“
  • „Was blockiert mich, eine gesunde Beziehung zu führen?“
  • „Welche nächste innere Haltung unterstützt mich am meisten?“

Gute Fragen sind:

  • offen, aber konkret („Was darf ich über meine berufliche Situation erkennen?“ statt „Was bringt die Zukunft?“)
  • auf dich selbst bezogen, nicht auf Kontrolle anderer
  • ehrlich – auch wenn die Antwort unbequem sein könnte

Karten mischen, ziehen und legen

Beim Mischen gibt es keine heilige Vorschrift. Du kannst die Karten wie ein gewöhnliches Kartenspiel mischen, auf dem Tisch ausbreiten und intuitiv ziehen oder jemanden schneiden lassen, wenn du für andere liest. Wichtig ist, dass du währenddessen bei deiner Frage bleibst – im Kopf oder laut ausgesprochen.

Wenn du eine Karte ziehst oder ein Legesystem auslegst, nimm dir einen Moment, bevor du sofort im Buch nachliest. Schau dir das Bild an, registriere deine körperliche Reaktion, deine spontanen Gedanken. Erst dann kannst du, wenn du willst, die traditionelle Deutung hinzunehmen.

Erste Deutungen – vom Bild zur Botschaft

Eine sinnvolle Deutung verbindet drei Ebenen:

  • Symbolische Ebene: Welche Elemente sehe ich? Farben, Tiere, Gegenstände, Körperhaltung der Figuren?
  • Gefühlsebene: Wie fühlt sich die Karte für mich an? Bedrohlich, befreiend, traurig, klar, ambivalent?
  • Kontext-Ebene: Wie passt das alles zu meiner Frage und meiner aktuellen Lebenssituation?

So kann ein und dieselbe Karte in verschiedenen Readings völlig unterschiedliche Nuancen haben. „Der Eremit“ kann einmal Rückzug und Alleinsein anzeigen, ein anderes Mal geistige Reife, tiefen Fokus oder eine Phase intensiven Lernens.

Einfache Legesysteme für Einsteiger

Du brauchst zu Beginn keine komplexen Legungen. Im Gegenteil: Je einfacher das System, desto leichter kannst du die Karten wirklich verstehen.

Die 1-Karten-Ziehung

Sie klingt simpel – ist aber extrem effektiv. Frag zum Beispiel:

  • „Welche Energie begleitet mich heute?“
  • „Was darf ich jetzt verstehen?“
  • „Worauf sollte ich meinen Fokus legen?“

Ziehe eine Karte, notiere sie im Journal und beobachte, wie sich dein Tag entfaltet. Oft erkennst du die Botschaft erst im Rückblick.

Die 3-Karten-Legung

Ein Klassiker, der verschiedene Varianten erlaubt:

  • Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft: Was liegt hinter mir, wo stehe ich, wohin entwickelt sich die Situation?
  • Ich – Thema – Nächster Schritt: Wie bin ich innerlich aufgestellt, was ist der Kern des Themas, welcher konkrete Schritt ist jetzt sinnvoll?
  • Stärke – Herausforderung – Ratschlag: Wo liegen meine Ressourcen, wo hakt es, was hilft mir weiter?

Diese Legung reicht für 90% aller Fragen – wenn du bereit bist, ehrlich hinzusehen.

Das Keltische Kreuz – später vertiefen

Das Keltische Kreuz ist eine beliebte, aber recht anspruchsvolle 10-Karten-Legung. Sie zeigt Vergangenheit, Gegenwart, Einflüsse, Hoffnungen, Ängste und mögliche Entwicklungen in einem komplexen Geflecht. Für den Einstieg kannst du sie dir anschauen, solltest aber nicht erwarten, sofort jede Feinheit zu verstehen. Besser: Erst mit 1 und 3 Karten sicher werden, dann Schritt für Schritt erweitern.

Üben, dokumentieren, reflektieren

Tarotlernen ist wie das Lernen einer Sprache. Du kannst Vokabeln pauken (Bedeutungslisten), aber fließend wirst du nur durch regelmäßige Anwendung. Drei konkrete Tipps:

  • Tarot-Tagebuch: Notiere Datum, Frage, gezogene Karten und deine Deutung. Ergänze einige Tage später, was tatsächlich passiert ist oder wie du dich entwickelt hast.
  • Lesen für dich selbst: Leg nicht nur bei Krisen, sondern auch bei scheinbar „unspektakulären“ Alltagsthemen. So lernst du, die Karten nicht nur dramatisch zu nutzen.
  • Lesen für andere (wenn du soweit bist): Beginne mit Menschen, denen du vertraust – immer respektvoll, ohne Versprechen und ohne Ego-Show.

Typische Anfängerfehler, innere Haltung und dein weiterer Weg

Je ernster du Tarot nimmst, desto wichtiger ist deine Haltung. Karten sind kein Spielzeug, kein Machtinstrument und schon gar kein Werkzeug, um andere zu manipulieren. Sie sind eine Einladung, erwachsener mit dir selbst umzugehen.

Die häufigsten Stolperfallen – und wie du sie vermeidest

  • Zu viele Karten, zu wenig Tiefe: Statt dir ein großes Legesystem zu legen, das dich überfordert, arbeite lieber mit wenigen Karten und durchdringe sie gründlich.
  • Permanent nachfragen: Die gleiche Frage immer wieder zu stellen, verwässert die Aussagen. Lege einmal, schreibe die Botschaft auf und gib ihr Zeit zu wirken.
  • Angst vor „negativen“ Karten: Der Tod, Der Turm, Der Teufel – diese Karten sind unbequem, aber oft genau dort, wo die größte Freiheit wartet. Sie zeigen, was sterben darf, was einstürzt, was dich fesselt – damit du dich befreien kannst.
  • Nur das hören wollen, was ins Ego passt: Wenn du nur Deutungen akzeptierst, die deinem Wunschbild entsprechen, blockierst du den eigentlichen Nutzen des Tarots.
  • Abhängigkeit von den Karten: Wenn du bei jeder Kleinigkeit legst, anstatt Verantwortung zu übernehmen, benutzt du Tarot als Krücke statt als Spiegel.

Gesunde spirituelle Haltung und Ethik im Tarot

Eine reife Tarotpraxis braucht nicht nur Wissen, sondern Ethik. Ein paar Leitlinien:

  • Eigenverantwortung: Tarot darf dich inspirieren – aber Entscheidungen triffst immer noch du. Du bist für dein Leben verantwortlich, nicht die Karten.
  • Respekt vor anderen: Lege keine Karten über Menschen, die nicht anwesend sind oder darum gebeten haben, wenn es um intime Themen geht. Formuliere Fragen eher so: „Was macht diese Situation mit mir?“ statt „Was fühlt er für sie?“
  • Keine Angst schüren: Wenn du für andere liest, vermeide dramatische Aussagen („Du wirst verlassen werden“, „Du wirst krank“). Sprich lieber in Tendenzen, Möglichkeiten und Entwicklungswegen.
  • Klare Grenzen: Tarot ersetzt keine ärztliche, therapeutische oder rechtliche Beratung. Sag das – dir selbst und anderen – klar.

Tarot und Intuition im Alltag verankern

Je länger du mit Tarot arbeitest, desto stärker wird sich deine Intuition auch außerhalb der Legungen zeigen. Das ist kein Zufall: Du trainierst täglich, Bilder, Gefühle und innere Impulse ernst zu nehmen. Du beginnst, Muster zu erkennen – in dir und in deinem Umfeld.

Praktische Ideen, um diese Entwicklung zu fördern:

  • Zieh regelmäßig eine Tageskarte und verknüpfe sie bewusst mit realen Situationen.
  • Kombiniere Tarot mit Traumdeutung: Welche Karte passt zu deinem Traum? Welches Motiv taucht in beiden auf?
  • Nutze Karten als Startpunkt für Journaling: Schreib frei drauflos, was dir zu einer Karte einfällt – ohne Zensur.
  • Experimentiere mit anderen Orakeln (z. B. Lenormandkarten) und beobachte, wie sie sich mit Tarot ergänzen.

Fazit: Tarot lernen ist eine langfristige, lohnende Reise

Tarot ist keine schnelle „Antwortmaschine“, sondern ein tiefes System, das dich über Jahre begleiten kann. Es hilft dir, bewusster zu leben, ehrlichere Entscheidungen zu treffen und deine innere Stimme wiederzufinden. Jede Karte, jede Legung, jede Notiz in deinem Journal ist ein Schritt auf diesem Weg.

Du musst nicht perfekt deuten können, um mit Tarot zu beginnen. Du musst nur bereit sein, wirklich hinzuschauen – auch dann, wenn dir nicht gefällt, was du siehst. Wenn du diese Bereitschaft mitbringst, wird das Tarot weit mehr für dich sein als ein esoterisches Spielzeug: Es wird zu einem klaren, manchmal radikalen, aber immer ehrlichen Begleiter auf deinem Weg zu dir selbst.

Gib dir Zeit. Übe regelmäßig. Hinterfrage dich und deine Deutungen. Und vor allem: Vertraue darauf, dass die Antworten, die wirklich wichtig sind, nicht in den Karten wohnen – sondern in dir. Die Karten helfen dir nur, sie sichtbar zu machen.

💬 Häufige Fragen

Tarot ist ein Kartensystem aus 78 Karten, mit dem Sie Themen, Gefühle und Entwicklungstendenzen beleuchten – kein Zaubertrick, sondern ein Symbol-Spiegel für Ihr Unterbewusstsein.

Nein. Sie brauchen keine „hellseherische Gabe“ – nur Neugier, Übung und die Bereitschaft, ehrlich auf Ihre Themen zu schauen.

Für Einsteiger ist das Rider-Waite-Smith-Tarot ideal, weil die Bildsprache klar, leicht verständlich und in fast allen Lernbüchern berücksichtigt ist.

Die Großen Arkana zeigen große Lebenslektionen und Wendepunkte, die Kleinen Arkana spiegeln eher Alltagsthemen, Stimmungslagen und konkrete Situationen.

Statt „Wird alles gut?“ fragen Sie besser: „Was darf ich über Situation X erkennen?“ oder „Welche nächsten Schritte unterstützen mich am meisten?“.

Für den Anfang reichen 1–3 Karten vollkommen. Je weniger Karten, desto klarer die Botschaft – der Rest ist nur Verwirrung.

Ihre Intuition ist der Kern. Bücher liefern Grundlagen, aber entscheidend ist, was die Karte in Ihnen auslöst – Bild, Gefühl, erste spontane Assoziation.

Nein. Lernen Sie die Grundideen der Karten und ergänzen Sie diese Schritt für Schritt mit eigenen Eindrücken und Erfahrungen aus einem Tarot-Tagebuch.

Karten wie Der Tod oder Der Turm sind keine Strafe, sondern Hinweise auf notwendige Veränderung, Loslassen und Durchbruch – unbequem, aber oft heilsam.

Tarot kann Ihnen Klarheit, Perspektiven und Konsequenzen aufzeigen – entscheiden müssen Sie trotzdem selbst. Wer das Tarot entscheiden lässt, macht sich klein.

Stellen Sie dieselbe Frage nicht ständig neu. Eine Legung – dann wirken lassen, beobachten, erst später mit neuer Perspektive nachfragen.

Ganz klar: Nein. Tarot kann Ihre innere Arbeit unterstützen, ersetzt aber weder psychotherapeutische Hilfe noch medizinische oder rechtliche Beratung.